Oh Freude

Vor 18 Jahren bewarb sich Leipzig neben vier anderen deutschen Städten um die Olympischen Spiele 2012. Die Entscheidung dieses innerdeutschen Wettbewerbs sollte während einer großen Gala in München fallen, bei der jede Stadt die Möglichkeite hatte, ihre Bewerbung in einem kurzen Film vorzustellen.

 

Der große Favorit war Hamburg, das mit Star-Regisseur Dieter Wedel und einem gewaltigen Budget schwere Geschütze aufgefahren hatte. Die Leipziger hatten kein Geld für große Geschütze, deshalb engagierten sie mich, frisch von der Filmhochschule und einem überschaubaren Portfolio. Ich wusste, dass wir nur eine Chance hatten, wenn wir die Teilnehmer der Gala mit einem Film überrumpelten, wie sie ihn noch nie gesehen hatten. Deshalb setzte ich von Anfang an konsequent auf Emotionen. Sehr große Emotionen. Die Leipziger Olympia-Bewerbung verdaddelt seine Zeit nicht damit, das Konzept der Stadion-Bauten vorzustellen. Statt dessen beginnt der Film mit einem russischen Panzer am Checkpoint Charlie, erinnert an Mauerbau, Montagsdemontrationen und Grenzöffnung und endet mit einer schmetternden “Ode an die Freude”. Dazu war die Prominenz auf unserer Seite. Die Hamburger hatten Wedel, aber wir hatten Richard von Weizsäcker und Dietrich Genscher. Michael Ballack grüßte aus München, Kati Witt aus New York, Oberbürgermeister Tiefensee packte sein Cello aus und spielte am Anfang der Präsentation die Bach-Kantate, die zum Beginn der Montags-Demonstrationen in der Nicolai-Kirche gesungen worden war und Star-Dirigent Kurt Masur schwärmte vom “besonderen Geist” der Leipziger. Es war “großes Kino”, wie Susanne Simon später im ZDF “heute-journal” sagte und das große Kino trug sein Scherflein dazu bei, dass die Leipziger den Wettbewerb mit wehenden Fahnen gewannen und die großen westdeutschen Konkurrenten ausstachen.

 

Vor ein paar Wochen hat sich die Sächsiche Zeitung daran erinnert. Da der Artikel selbst hinter einer Paywall steckt, findet ihr ihn hier in seiner ganzen Länge:

 

(Foto-Credit: Ronald Bonß)